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Bulawayo

Hwange NP war grandios und jeder einzelne Mensch, den wir dort getroffen hatten, war unglaublich freundlich und nett - aber ein Nationalpark ist doch eine eigene Welt und so waren wir sehr gespannt auf den Besuch in Bulawayo, einer Stadt mit ca. 1Mio Einwohnern im Westen Zimbabwes.

20100312_no_petrolVor ca. einem Jahr wurde der Zimbabwe Dollar als offizielles Zahlungsmittel abgelöst durch US$ und Südafrikanischen Rand. Häufig werden auch Bostwanische Pula und manchmal sogar Britische Pfund akzeptiert. Seitdem gibt es in den Läden wieder alle Waren des täglichen Lebens zu kaufen und auch die Versorgung mit Treibstoff ist wieder gut. Diesel bekommt man fast überall, nach Benzin muss man in den größeren Städten ein wenig suchen, bis man fündig wird.

Als wir in Bulawayo ankamen erinnerte uns die Stadt an eine Stadt in Osteuropa kurz nach dem Zusammenbruch des Ostblocks: Man sah der Stadt deutlich an, dass hier bessere Zeiten geherrscht hatten, aber nun das Geld an allen Ecken zur Pflege fehlte. Schöne Gebäude im Kolonialstil, die gerne einmal einen Topf Farbe sehen würden, breite Straßen, die an vielen stellen Schlaglöcher bekamen und große Kaufhäuser bei denen ein großer Teil einfach abgesperrt war, weil es nicht genug Waren zum Füllen der Regale gab. Einzig die Lebensmittel-Supermärkte hatte in der Regel komplett volle Regale mit allen lebensnotwendigen Dingen. Alles, was darüber hinaus ging, gab es nicht. Wir haben zum Beispiel vollkommen vergebens nach einem Salzstreuer gesucht. Dieses Utensil gehört eindeutig nicht in die Kategorie lebensnotwendig, sondern wird derzeit - aus Sicht eines Simbabwers - nach "vollkommen überflüssig" eingeordnet.

Nachdem wir in einem Supermarkt waren, in dem wir zu einem fast europäischem Preisniveau alles benötigte bekamen und in dem wir an der Kasse Menschen mit sehr leeren Einkaufskörben gesehen hatten, die jeden Dollar zweimal umdrehten, standen wir plötzlich in einer Deli-Bäckerei mit angeschlossener Fast-Food-Pizzeria, in der der Bär tobte. Dort trafen wir dann (andere) Menschen, die mal eben ein paar Dollar für einen Donut und einen Kaffee ausgaben oder Schulkinder, die mittags ein Pizzastück für 4US$ bestellten und dann vom Papi im schicken Toyota Landcruiser abgeholt wurden. Offensichtlich gibt es auch hier noch genügend Menschen, die sich ums Geld keine Sorgen machen müssen. Wie allerdings die Bevölkerungsschicht, wie z.B. der Ranger, den wir von Hwange nach Bulawayo mitgenommen hatten und der 280US$/Monat verdient, bei diesem Preisniveau um die Runden kommt, ist uns ein Rästel. Die Gegensätze sind genauso deutlich wie fast überall in Afrika, nur dass Arm und Reich bisher eher in deutlich getrennten Welten lebten. In Zimbabwe war die Trennung dieser Welten, falls sie wirklich existiert, für uns nicht erkennbar. Im großen TM-Supermarkt oder im Shoprite traf man beide an.

20100312_Shoprite

Ein Überbleibsel der vergangenen "wilden Jahre" sind die Gitter vor jedem Schaufenster. Diese sind nachträglich angebracht worden und auch abnehmbar - Warten auf bessere Zeiten und solange durchhalten.

In der Post bekamen wir auch Briefmarken für unsere Postkarten. Eine eigene Währung hat Zimbabwe nicht mehr, was würde also darauf gedruckt sein??? Ganz simpel: Ein "E" für Europa und der Preis hing an einem Aushang aus. So einfach kann das sein!

20100313_Postoffice_Bulawayo

Auch hier bestätigte sich unser Bild von Zimbabwe: Die Menschen haben derzeit eine harte Zeit über die Runden zu kommen, aber wo auch immer wir uns mit jemandem unterhielten wurden wir superfreundlich empfangen. Häufig enden Unterhaltungen in Afrika nach ein paar Minuten mit dem Versuch Geld zu verdienen und so waren wir hier immer wieder verblüfft, wenn wir z.B. an einer Tankstelle überschwenglich auf unsere Reise angesprochen wurden und die Unterhaltung dann irgendwann mit einem Händedruck und einem "Wir wünschen Euch weiterhin eine gute Reise!" genauso freundlich durch den Afrikaner beendet wurde.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 01. April 2010 um 18:27 Uhr  

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